Die rote Mittelmeerkoralle
Ein lebendiges Material, aus dem Meer geboren und von Hand bearbeitet. Seit der Antike trägt man sie zum Schutz — und wegen ihrer tiefen Schönheit.
Aus dem Blut der Medusa geboren
Die Mythologie gibt der Koralle einen spektakulären Ursprung. Nach Ovid legte Perseus das abgeschlagene Haupt der Medusa auf Algen am Ufer; der versteinernde Blick der Gorgone verwandelte die Algen in rote Zweige — die Koralle war geboren.
Ein schönes Bild: Gewalt, die zu Schönheit wird, und dann zu Schutz. Denn seit der Antike trägt man im gesamten Mittelmeerraum rote Koralle, um den bösen Blick abzuwehren. Schon die Römer banden sie ihren Kindern um den Hals.
Zweitausend Jahre später kann man Plinius den Älteren noch lesen: Ein Korallenzweig um den Hals eines Kindes „gilt als Schutz“. Er schrieb tatsächlich „gilt als“ — er gab einen Glauben wieder, ohne ihn zu entscheiden. Wir halten es genauso. Später erinnerte das Rot der Koralle an das Blut Christi; in Korsika findet man sie oft um den Hals des Jesuskindes.
Ein Schutz gegen den bösen Blick
Auf Korsika schützt man sich vor dem ochju, dem bösen Blick: einem neidischen Blick, auch einem unbeabsichtigten, vor dem man sich seit jeher hütet. Die rote Koralle ist, gemeinsam mit dem Auge der heiligen Lucia, der traditionelle Glücksbringer dagegen.
Der rote Faden, der sich durch diese Korallenstücke zieht, ist mehr als ein Detail: In mehreren Mittelmeertraditionen hält bereits die Farbe Rot den bösen Blick fern. Bei uns trägt fast jeder Gegenstand eine Absicht in sich.
Das Hörnchen (cornicellu)
Das kleine gebogene Horn wehrt den bösen Blick ab und bringt Glück.
Die cupolini
Die kleinen polierten Korallenröhrchen, aus denen die Armbänder und Ketten bestehen.
Der rote Faden
Ein unauffälliger Schutz gegen den ochju, eingearbeitet ins Herz des Schmuckstücks.
Ein seltenes Material, eine regulierte Fischerei
Die rote Mittelmeerkoralle (Corallium rubrum) ist kein Stein: Sie ist das Skelett eines Meerestieres, das sehr langsam wächst — wenige Millimeter im Jahr — und empfindlich bleibt. Poliert entfaltet sie ihren Glanz.
Sie ist eine geschützte Art, und ihr Fang gehört zu den am strengsten geregelten im Mittelmeer. Er ist zugelassenen Berufstauchern vorbehalten, den corailleurs — ein Wort für beide Berufe: den Taucher, der sie erntet, und den Handwerker, der sie bearbeitet und poliert.
Konkret erfolgt die Ernte von Hand, mit dem Hammer, im Tauchgang, nach genauen Regeln:
- ein Ast darf nur entnommen werden, wenn sein Fuß mindestens 7 mm misst ;
- der Fang ist oberhalb von 50 Metern verboten ;
- die Mengen sind durch Jahresquoten begrenzt ;
- die Lizenzen vergibt der Staat, in sehr geringer Zahl.
Privatpersonen dürfen keine Koralle sammeln — auch kein am Strand gefundenes Stück. Das ist die Kehrseite dieses Schutzes.
Wie viele sind es? Einige Dutzend in Frankreich, nicht mehr: Der Staat führt eine namentliche Liste derjenigen, die sie ernten dürfen, jedes Jahr erneuert. Es ist ein tiefer und gefährlicher Beruf — man taucht ab, arbeitet mit dem Hammer, steigt langsam wieder auf. Hinter jedem Zweig, der zu einem Schmuckstück wird, steht einer dieser sehr seltenen Tauchgänge.
In Torre del Greco wird ein Zweig erst nach mehreren Arbeitsschritten zum Schmuckstück: Er wird gesägt, gedreht, poliert — und für die schönsten Stücke wird das Material von Hand graviert, Schicht für Schicht. Das ist die Kunst der Kamee. Die Stadt bildet dort seit dem späten 19. Jahrhundert ihre Korallengraveure aus.
Die Koralle, die wir anbieten, stammt aus dieser zugelassenen Lieferkette und wird meist in Torre del Greco bei Neapel verarbeitet — seit Jahrhunderten die Welthauptstadt der Koralle. Zu jedem Kauf geben wir eine Karte „echte Koralle“. Wir erklären es lieber, als es zu verschweigen.
Echte Koralle oder Imitat?
Die echte Koralle
Leichte natürliche Unregelmäßigkeiten, Rotnuancen innerhalb eines Stücks, eine nie ganz gleichmäßige Oberfläche — und ein Gewicht, das für die Größe überrascht.
Das Imitat
Harz, Paste oder gefärbte Bambuskoralle: zu regelmäßig, zu gleichförmig, zu leicht.
Ihre Koralle pflegen
Mit der Zeit kann die Koralle leicht matt werden. Um ihr den Glanz zurückzugeben, nährt man sie mit einem Öl — einem Tropfen Rizinus- oder Mandelöl — ohne sie je zu reiben.
Vermeiden Sie aggressive Mittel und Stöße: Es ist ein empfindliches Material, das Generationen überdauert, wenn man es achtet.
Häufige Fragen
Ja. Weder Kunststoff noch Wachs, sondern ein echter kostbarer Naturstoff: die rote Mittelmeerkoralle.
Sie ist leicht matt geworden. Nähren Sie sie mit einem Tropfen mildem Öl (Rizinus oder Mandel), ohne zu reiben — der Glanz kehrt zurück.
Nein: Die rote Koralle ist eine geschützte Art, ihre Gewinnung ist zugelassenen Fachleuten vorbehalten. Auch angespülte Koralle darf nicht mitgenommen werden. Die Koralle, die wir anbieten, stammt aus einer regulierten Lieferkette.
Die rote Mittelmeerkoralle steht nicht auf der CITES-Liste, doch ihre Ernte ist streng geregelt: im Tauchgang, unterhalb von 50 Metern, an Kolonien von mindestens 7 Millimetern, mit sehr wenigen staatlichen Lizenzen. Ein Korallenschmuckstück zu kaufen und zu tragen ist dagegen völlig frei.
Gewicht, Haptik, natürliche Unregelmäßigkeiten: Die verlässlichen Kriterien stehen in unserem Leitfaden zum Erkennen echter Koralle — und im Geschäft zeigen wir Ihnen den Unterschied mit einem Stück in der Hand. Ein seriöser Verkäufer muss Ihnen immer genau sagen können, was Sie kaufen.
Meiden Sie vor allem Pool, Parfüm und Kosmetik: Koralle ist ein organisches Material, das keine Chemie mag. Nach einem Bad im Meer mit klarem Wasser abspülen und sanft trocknen. Wird sie matt, weckt ein Tropfen mildes Öl ihren Glanz wieder.
Entdecken Sie die Koralle im Laden
Jedes Stück hat seine Geschichte — und die erzählt sich besser persönlich. Kommen Sie in der Rue Clemenceau vorbei, wir holen es für Sie aus der Vitrine.
1 rue Clemenceau, 20260 Calvi
04 95 56 60 24 · @ebellecose_calvi
